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Wie Geopolitik den Energiepreis bestimmt: Iran, Russland & die Folgen für deinen Abschlag

Warum Kriege und Konflikte deine Strom- und Gasrechnung verändern – die Mechanismen hinter den Schlagzeilen, mit konkreten Handlungsempfehlungen.

13 min Lesezeit13. März 2026FinTri
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Einordnung: Warum du das jetzt wissen solltest

Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel die „Operation Epic Fury" gegen den Iran. Innerhalb weniger Tage war die Straße von Hormus – die Lebensader für 20 Prozent des globalen Öl- und LNG-Handels – de facto gesperrt. Der Brent-Ölpreis schoss von rund 72 auf zeitweise 119,50 Dollar pro Barrel. Der europäische Gaspreis am TTF verdoppelte sich von 32 auf fast 70 Euro pro Megawattstunde.

Déjà-vu: Erst vier Jahre zuvor hatte der russische Gaslieferstopp die Preise explodieren lassen. Damals knapp verdreifachten sich die Haushaltsgaspreise, Millionen Verbraucher landeten in überteuerten Notverträgen, und die Bundesregierung musste mit Preisbremsen eingreifen.

Jetzt stellt sich die Frage erneut: Was bedeutet dieser Konflikt für deine Strom- und Gasrechnung? Die kurze Antwort: Es kommt darauf an – und zwar auf Mechanismen, die in der Schlagzeilenberichterstattung fast nie erklärt werden. Energie ist einer der größten Fixkosten-Blöcke im Haushalt – und gleichzeitig der, der am stärksten von geopolitischen Ereignissen beeinflusst wird. Genau das machen wir hier.

Die Grundlagen: Wie geopolitische Konflikte deine Rechnung treiben

Öl und Gas sind ein Weltmarkt – auch wenn du kein iranisches Öl kaufst

Deutschlands Rohöl kommt hauptsächlich aus Norwegen, den USA, Kasachstan, Libyen und Großbritannien. Aus dem Iran importiert Deutschland praktisch nichts. Trotzdem steigen an der Tankstelle und auf der Gasrechnung die Preise, wenn im Persischen Golf ein Krieg ausbricht. Warum?

Die Antwort liegt in einem Wort: Fungibilität. Öl und Gas werden auf globalen Märkten gehandelt. Der Brent-Crude-Index ist der Referenzpreis für rund 80 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls. Wenn Iran-Öl ausfällt, deckt China – der Hauptabnehmer mit 90 Prozent der iranischen Exporte – seinen Bedarf aus anderen Quellen: Saudi-Arabien, Irak, Vereinigte Arabische Emirate. Diese Barrels fehlen dann für europäische und andere Käufer. Der Weltmarktpreis steigt für alle.

Konkret: Durch die Straße von Hormus fließen täglich 20 Millionen Barrel Öl und rund 20 Prozent des globalen LNG-Handels. Katar – nach den USA und Australien der drittgrößte LNG-Exporteur der Welt – liegt vollständig innerhalb des Persischen Golfs. Es gibt keine Alternativroute für katarisches Flüssiggas.

Die Übertragungskette: Vom Konflikt bis zu deinem Abschlag

Die Preissignale aus geopolitischen Krisen erreichen deinen Haushalt über eine fünfstufige Kette. Jedes Glied hat eigene Zeitverzögerungen und Dämpfungseffekte.

Stufe 1 – Das Ereignis: Die Hormuz-Blockade erzeugt eine reale Angebotsverknappung. Bis zu 13 Millionen Barrel Öl pro Tag sind betroffen – die IEA spricht von der „größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts".

Stufe 2 – Terminmärkte reagieren sofort: Brent und TTF als Referenzpreise springen innerhalb von Stunden. Spekulative Risikoprämien verstärken den Effekt. Goldman Sachs beziffert die aktuelle geopolitische Risikoprämie auf rund 14 bis 15 Dollar pro Barrel über dem Fundamentalwert.

Stufe 3 – Die Merit-Order übersetzt Gas- in Strompreise: An der Strombörse (EPEX SPOT) setzt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den einheitlichen Preis für alle Erzeuger. Da Gaskraftwerke wegen ihrer Flexibilität häufig als letztes ans Netz gehen, bestimmt der Gaspreis in vielen Stunden den Strompreis. Die vereinfachte Formel:

Strompreis ≈ Gaspreis ÷ Wirkungsgrad + CO₂-Emissionen × CO₂-Preis

Bei einem TTF von 50 Euro pro Megawattstunde, einem Wirkungsgrad von 50 Prozent und dem aktuellen CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro pro Tonne ergeben sich Grenzkosten eines Gaskraftwerks von rund 120 bis 130 Euro pro Megawattstunde – deutlich über dem Vorkrisenniveau von circa 80 Euro. Zum Vergleich: In der Krise 2022 (TTF bei 340 Euro) lagen die Grenzkosten bei über 280 Euro pro Megawattstunde. Mehr zur Preiszusammensetzung deines Stromtarifs.

Stufe 4 – Regulierte Bestandteile dämpfen den Effekt: Netzentgelte, Steuern und CO₂-Abgaben machen rund 55 bis 60 Prozent des Endkundenpreises aus. Der aktuelle Haushaltsgaspreis von 11,10 Cent pro Kilowattstunde setzt sich zusammen aus: Beschaffung und Vertrieb (5,04 ct), Netzentgelte (2,57 ct) und Steuern und Abgaben (3,49 ct). Wenn der Beschaffungsanteil um 50 Prozent steigt, steigt der Endpreis nicht um 50, sondern um rund 20 bis 25 Prozent. Beim Strom (aktuell 37,2 ct/kWh) ist der regulierte Anteil sogar noch höher.

Stufe 5 – Die Zeitverzögerung: Hier wird es für dich als Verbraucher entscheidend. Neukundentarife reagieren innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten. Bestandskundentarife mit drei bis zwölf Monaten Verzögerung. Grundversorgungstarife werden oft nur ein- bis zweimal jährlich angepasst. Die Erfahrung aus 2022 bestätigt das: Der TTF-Höchststand lag im August 2022 bei 339 Euro pro Megawattstunde – der Endverbraucher-Peak wurde erst im Januar 2023 erreicht, vier bis sechs Monate später.

Eine Ausnahme: Heizöl und Benzin reagieren sofort. Der ADAC meldete am 13. März bereits 2,08 Euro pro Liter für Benzin und 2,21 Euro für Diesel.

Hedging: Warum Preisschocks gedämpft ankommen – und verzögert verschwinden

Deutsche Energieversorger kaufen nicht einfach am Tag des Liefertermins ein. Sie beschaffen typischerweise 70 bis 90 Prozent ihres Bedarfs über den Terminmarkt und nur 10 bis 30 Prozent über den Spotmarkt, mit einem Beschaffungshorizont von 19 bis 36 Monaten. Das dominante Modell ist die Tranchenbeschaffung: Der Gesamtbedarf wird in Teilmengen aufgeteilt, die zu verschiedenen Zeitpunkten eingekauft werden. Der Endpreis entspricht dem Durchschnitt aller Tranchen.

Dieses Hedging hat zwei Gesichter:

In der Krise schützt es dich. Als der TTF-Großhandel 2022 auf das 17-Fache des Vorkrisenniveaus stieg, verdoppelte sich die Beschaffungskomponente im Endkundenpreis „nur". E.ON erklärte, man habe „nur 30 Prozent der teilweise extremen Preissteigerungen an Verbrauchende weitergegeben."

Bei fallenden Preisen bremst es dich aus. Versorger, die 2022 auf dem Höhepunkt Tranchen für 2023/2024 eingekauft haben, sitzen auf teuer beschafften Mengen. Obwohl die TTF-Großhandelspreise von August 2022 bis Ende 2023 um über 85 Prozent fielen, sanken Endkundenpreise nur um rund 30 Prozent. 2024 lagen die Haushaltsgaspreise bei 11,02 Cent pro Kilowattstunde – immer noch 56 Prozent über dem Niveau von 2021 (7,06 ct/kWh), obwohl der Großhandel fast das Vorkrisenniveau erreicht hatte.

Dieses Phänomen heißt in der Forschung Rockets and Feathers: Preise steigen schnell wie Raketen, fallen aber langsam wie Federn. Die ZEW-Studie von Sven Heim (2016/2019) hat den Effekt für den deutschen Stromeinzelhandel erstmals nachgewiesen. Das Bundeskartellamt leitete nach 2022 Prüfverfahren gegen dutzende Versorger ein und erzielte Rückflüsse von rund 200 Millionen Euro.

Für die aktuelle Krise bedeutet das: Die Mehrkosten durch den Iran-Krieg werden frühestens ab April/Mai 2026 auf Neukundentarife durchschlagen. Bestandskunden mit laufender Preisgarantie sind kurzfristig geschützt. Wenn der Konflikt schnell deeskaliert, könnten die Preise aber auch wieder fallen, bevor die Erhöhung bei dir ankommt.

2022 vs. 2026: Was Deutschland gelernt hat – und was nicht

Der Vergleich hilft, die aktuelle Lage einzuordnen:

Was besser ist als 2022:

  • LNG-Infrastruktur: Vier Terminals in Betrieb (Wilhelmshaven I+II, Brunsbüttel, Mukran/Rügen), die 2025 insgesamt 106 Terawattstunden einspeisten – rund 10 Prozent der Gasimporte. Bis Dezember 2022 gab es kein einziges LNG-Terminal.
  • Diversifizierte Lieferketten: Norwegen liefert heute 44 Prozent des deutschen Gases (2021: rund 20 bis 30 Prozent), die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten ist gebrochen.
  • Erprobtes Krisenmanagement: EnWG-Notfallplan, Speichergesetz, Bundesnetzagentur als erprobter Krisenmanager.
  • Gasverbrauch dauerhaft gesenkt: Der deutsche Gasverbrauch liegt 2025 mit 864 Terawattstunden noch 13,5 Prozent unter dem Durchschnitt von 2018 bis 2021.

Was schlechter ist als erwartet:

  • Speicherstände alarmierend niedrig: 21 Prozent Füllstand in Deutschland (EU-Durchschnitt: 32 Prozent), Rehden – der größte Speicher Westeuropas – bei nur 11 Prozent.
  • Anderer Krisentyp: 2022 fiel ein einzelner Pipeline-Lieferant aus. 2026 bedroht die Hormuz-Blockade gleichzeitig Öl und Gas auf globaler Ebene und trifft mit Katar einen der wichtigsten LNG-Exporteure der Welt.
  • LNG-Abhängigkeit gewachsen: Genau die Diversifikationsstrategie, die 2022 rettete (weg von Pipeline-Gas, hin zu LNG), macht Europa jetzt verwundbarer gegenüber Störungen der Seetransportrouten.

Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage Stand 12. März 2026 als „sicher". Mehr zum Strom- und Gasmarkt insgesamt.

Typische Fehler und Mythen

„Wir importieren kein iranisches Öl – also betrifft uns das nicht"

Dieser Irrtum verkennt die Logik globaler Rohstoffmärkte. Deutschland importiert zwar kaum Öl aus dem Nahen Osten (2025: rund 6 Prozent der Rohölimporte), zahlt aber dennoch den Weltmarktpreis. Als die Hormuz-Blockade begann, stieg Brent um über 60 Prozent – und mit ihm die Preise für alle Importeure weltweit, egal woher sie physisch kaufen. Eine DIW-Studie von 2018 zeigte bereits bei früheren Iran-Sanktionen: Selbst rein sanktionsbedingte Ausfälle iranischer Exporte erhöhten den globalen Ölpreis um knapp 20 Dollar pro Barrel – völlig unabhängig davon, ob das betroffene Land iranisches Öl bezieht.

„Strompreis hängt direkt am Ölpreis"

Die Kausalkette ist mehrstufig, nicht direkt. Der Strompreis wird an der Börse über das Merit-Order-Prinzip bestimmt. In Zeiten geringer erneuerbarer Einspeisung setzen Gaskraftwerke den Preis – nicht Ölkraftwerke. Die historische Ölpreisbindung in Gasverträgen wurde 2010 vom BGH für Endverbraucherverträge für ungültig erklärt. Der Gaspreis orientiert sich heute am TTF-Spotmarkt. Und: Nur rund 25 Prozent des Stroms werden an der Börse gehandelt. Dazu kommen Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die zusammen über ein Drittel des Endpreises ausmachen und vom Ölpreis komplett unabhängig sind.

„Krieg heißt: sofortige Preiserhöhung auf meiner Rechnung"

Die Tranchenbeschaffung der Versorger wirkt als massiver Puffer. Der TTF mag sich verdoppeln – aber dein Versorger hat den Großteil seines Bedarfs vor Monaten oder Jahren eingekauft. Die Erfahrung aus 2022 zeigt eine typische Verzögerung von mehreren Monaten, bis Großhandelsspitzen beim Endkunden ankommen. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller bezifferte die Weitergabe 2023 auf sechs bis zwölf Monate.

Gleichzeitig gilt: Preise mit laufender Preisgarantie können während der Garantielaufzeit nicht einseitig erhöht werden. Wenn du einen Vertrag mit Preisgarantie hast, bist du kurzfristig geschützt – unabhängig davon, was gerade am Großhandelsmarkt passiert.

„Jetzt schnell wechseln, bevor es teurer wird"

Genau dieses Narrativ verbreiten Vergleichsportale in jeder Krise. Verivox meldete am 5. März 2026: „Aktuell werden mehr als doppelt so viele neue Gasverträge abgeschlossen wie noch vor einer Woche." Check24 wirbt mit „Jetzt bis zu 2.100 € sparen." Die implizite Botschaft: Sofort handeln, sonst wird es teurer.

Die Realität ist differenzierter. In der Krise 2022 waren Grundversorgungstarife zeitweise in nahezu allen untersuchten Großstädten günstiger als die Angebote auf Vergleichsportalen. Wer damals in Panik einen Langzeitvertrag zu Krisenpreisen abschloss, zahlte danach oft mehr als nötig. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bringt es auf den Punkt: „Gerade in Krisenzeiten gilt – Ruhe bewahren, Angebote prüfen und sich nicht zu schnellen Entscheidungen drängen lassen." Warum das psychologisch so schwerfällt, erklären wir in Psychologie hinter deinen Fixkosten.

Hintergrund: Vergleichsportale finanzieren sich über Provisionen von geschätzt 50 bis 100 Euro pro vermitteltem Vertrag. Ihr Geschäftsmodell profitiert davon, dass möglichst viele Menschen möglichst oft wechseln – unabhängig davon, ob der Zeitpunkt günstig ist. Mehr dazu in Vergleichsportale: Was sie können – und wo ihre Grenzen liegen.

Worauf solltest du achten?

Schritt 1: Deinen aktuellen Vertrag prüfen

Bevor du irgendetwas änderst, kläre drei Fragen:

  1. Hast du eine Preisgarantie? Wenn ja: Bis wann läuft sie? Solange die Garantie gilt, bist du geschützt – auch bei steigenden Großhandelspreisen.
  2. Welche Art von Preisgarantie? Eine volle (Brutto-)Preisgarantie schützt den gesamten Preis. Eine eingeschränkte Garantie schließt Steuern und Netzentgelte aus – genau die Bestandteile, die auch krisenunabhängig steigen können. Die Tarifbegriffe im Detail.
  3. Wann endet dein Vertrag? Wenn dein Vertrag in den nächsten drei Monaten ausläuft, lohnt es sich, jetzt Alternativen zu prüfen – aber nicht in Panik.

Schritt 2: Nicht in der Panik wechseln

Die Verhaltensforschung zeigt: In Krisensituationen dominiert die Verfügbarkeitsheuristik. Wir überschätzen Risiken, die medial omnipräsent sind, und treffen emotionale statt rationale Entscheidungen. Eine Studie des DIW Berlin belegt: Die Preiselastizität der Gasnachfrage beträgt kontrolliert für öffentliche Aufmerksamkeit nur −0,01 bis −0,04 – praktisch null. Nicht der Preis, sondern die Nachrichtenlage treibt unser Verhalten.

Konkrete Empfehlungen der Verbraucherzentrale:

  • Maximale Vertragslaufzeit: zwölf Monate
  • Keine Vorkasse-Tarife (Insolvenzrisiko)
  • Boni beim Vergleich deaktivieren, um den tatsächlichen Dauertarif zu sehen
  • Impressum und Anbieter-Seriosität prüfen – Fake-Shops für Heizöl nahmen im März 2026 sprunghaft zu

Schritt 3: Verbrauch senken – der effektivste Schutz

Unabhängig von jedem Tarifwechsel: Wer weniger verbraucht, zahlt weniger – und ist weniger anfällig für Preisschocks. Deutsche Haushalte haben 2022/2023 bewiesen, dass erhebliche Einsparungen möglich sind: Im Winterhalbjahr 2022/23 lag die Gaseinsparung bei durchschnittlich 18,4 Prozent gegenüber den Vorjahren.

Dabei spielte laut DIW Berlin die Preiserhöhung eine erstaunlich geringe Rolle. Nichtmonetäre Faktoren – öffentliche Appelle, Medienberichterstattung und Solidaritätseffekte – hatten einen fast vierfach höheren Effekt auf die Einsparungen als der reine Preismechanismus.

Schritt 4: Langfristig unabhängiger werden

Wer nicht bei jeder geopolitischen Krise zittern will, kann strukturell vorsorgen:

  • Photovoltaik: Der PV-Zubau in Deutschland hat sich von 5,3 Gigawatt (2021) auf 17,5 Gigawatt (2024) mehr als verdreifacht. Balkonkraftwerke – über eine Million Geräte bis Mitte 2025 – machen Solarstrom auch für Mieter zugänglich.
  • Wärmepumpe: In Kombination mit PV und Speicher sinken die Stromkosten laut Experten um 30 bis 50 Prozent. Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast, Gas springt bei extremer Kälte ein.
  • Energiegenossenschaften: Rund 1.000 Energiegenossenschaften mit etwa 220.000 Mitgliedern produzieren PV-Strom für 5 bis 6 Cent pro Kilowattstunde. In Bioenergiedörfern blieben die Nahwärmepreise während der Krise 2022 stabil.

Auch dein Wechselverhalten bei Strom und Gas sollte strategisch sein – nicht reaktiv.

Preiserhöhung bekommen? Bei jeder Preiserhöhung hast du ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Du kannst sofort raus aus dem Vertrag, unabhängig von der regulären Kündigungsfrist. Nutze dieses Fenster, um in Ruhe einen besseren Tarif zu suchen – nicht unter Zeitdruck.

Fazit

Geopolitische Konflikte treiben Energiepreise nicht direkt und sofort, sondern über eine mehrstufige Kette: Vom Konflikt über den globalen Marktpreis, die Terminmärkte und das Merit-Order-Prinzip bis zu deiner Rechnung – mit einer typischen Verzögerung von mehreren Monaten und einer spürbaren Dämpfung durch Hedging und regulierte Preisbestandteile.

Deutschland steht 2026 besser da als 2022: mit vier LNG-Terminals, diversifizierten Lieferketten und einem erprobten Krisenmanagement. Aber die niedrigen Speicherstände und die gleichzeitige Belastung durch den Ausstieg aus russischem Gas testen diese Resilienz. Wer jetzt einen Vertrag mit Preisgarantie hat, ist kurzfristig geschützt. Für alle anderen gilt: Nicht in Panik geraten, maximal Einjahresverträge abschließen, und den eigenen Verbrauch als stärksten Hebel nutzen.

Genau hier setzen wir in der Beratung an: Wir analysieren, welcher Tariftyp in der aktuellen Marktlage zu deiner Situation passt – unabhängig von den Provisionsinteressen der Vergleichsportale.


Quellen

  • Bundesnetzagentur: Lagebericht Gasversorgung, 12. März 2026 – Versorgungslage, Speicherfüllstände (21 %)
  • BDEW: Strompreisanalyse Januar 2026 – Haushaltsstrompreis 37,2 ct/kWh, Gaspreis 11,10 ct/kWh
  • IEA: Einschätzung zur Hormuz-Blockade – „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts"
  • Goldman Sachs: TTF-Prognosen und geopolitische Risikoprämie (14–15 $/bbl), März 2026
  • BEHG / DEHSt: CO₂-Preiskorridor 55–65 €/t ab Januar 2026
  • EU-Rat: Verordnung EU/261/2026 zum Ausstieg aus russischem Gas
  • Jamissen et al. (2024): „Krisenaufmerksamkeitsindikator" – Preiselastizität Gas nur −0,01 bis −0,04 (Energy Efficiency, Springer)
  • Ruhnau, Stiewe, Müßel & Hirth (2023): Gaseinsparungen 2022 temperaturbereinigt (Nature Energy)
  • DIW Berlin (2018): Iran-Sanktionen und Ölpreiseffekte
  • DIW Berlin (2025): Heizenergieeinsparung – nichtmonetäre Faktoren vierfach stärker als Preiseffekt
  • Heim, S. (ZEW, 2016/2019): Rockets-and-Feathers-Effekt im deutschen Stromeinzelhandel
  • Peltzman, S. (2000): Asymmetrische Preisanpassung in 242 Märkten
  • Verbraucherzentrale Niedersachsen: Empfehlungen zur Iran-Krise, 11. März 2026
  • Bundeskartellamt: Prüfverfahren gegen Energieversorger, Rückflüsse 200 Mio. €