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Vergleichsportale: Was sie können – und wo ihre Grenzen liegen

Check24 und Verivox sind keine neutralen Vergleichsplattformen – sie sind provisionsfinanzierte Makler. Wir erklären das Geschäftsmodell, die systematischen Lücken und wann Portale trotzdem sinnvoll sind.

10 min Lesezeit14. Februar 2026FinTri
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Einordnung: Warum dieses Thema wichtig ist

Du willst deinen Stromtarif wechseln, tippst deine Postleitzahl in ein Vergleichsportal ein – und bekommst 50 Ergebnisse. Das günstigste wählst du aus, klickst auf „Jetzt wechseln" und fühlst dich gut. Du hast verglichen, du hast gespart. Oder?

Die Realität ist komplizierter. Vergleichsportale wie Check24 und Verivox sind keine neutralen Helfer. Sie sind registrierte Versicherungsmakler mit einem klaren Geschäftsmodell: Sie verdienen an jedem Vertrag, den du über sie abschließt. Über 90 Prozent ihrer Einnahmen stammen aus Provisionen der gelisteten Anbieter. Das muss nicht schlecht sein – aber es verändert grundlegend, was dir angezeigt wird und was nicht.

Das Bundeskartellamt hat in einer umfassenden Sektoruntersuchung sieben Problemfelder identifiziert. Gerichte haben mehrfach unzureichende Marktabdeckung festgestellt. Und die Stiftung Warentest kam bei ihrem Portaltest zu einem ernüchternden Ergebnis: Selbst die besten Portale erhielten nur die Note „Befriedigend".

In diesem Artikel erklären wir, wie das Geschäftsmodell funktioniert, wo die systematischen Lücken liegen – und wann Portale trotzdem ein sinnvolles Werkzeug sind. Die Grundlagen zu Fixkosten und warum wir generell zu viel zahlen, findest du im Pillar-Artikel.

Wie Vergleichsportale wirklich Geld verdienen

Check24 und Verivox bieten ihren Service kostenlos an. Das klingt erst mal gut. Aber kostenlos heißt nicht unabhängig – und schon gar nicht neutral.

Das Provisionsmodell

Für jeden Vertrag, der über ein Portal zustande kommt, zahlt der Anbieter eine Provision. Bei Strom und Gas sind das 30 bis 70 Euro pro Wechsel. Bei einer Kfz-Versicherung im Schnitt 77 Euro. Bei einer privaten Krankenversicherung können es 2.000 bis 2.400 Euro sein, bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung 1.000 bis 2.800 Euro.

Check24 erzielte 2023/24 einen geschätzten Umsatz von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro – fast ausschließlich aus solchen Provisionen. Allein für Werbung gibt das Unternehmen rund 196 Millionen Euro jährlich aus. Verivox kam 2024 auf etwa 185 Millionen Euro Umsatz.

Die Konsequenz ist strukturell: Es werden nur Anbieter gelistet, die eine Provisionsvereinbarung mit dem Portal haben. Wer keine Provision zahlt, existiert für das Portal nicht – egal wie gut oder günstig der Tarif ist.

Position 0 und voreingestellte Filter

Das Bundeskartellamt hat drei Mechanismen identifiziert, mit denen Portale ihre Ergebnisse lenken:

Position 0 – einzelne Angebote werden dem eigentlichen Ranking vorangestellt und visuell hervorgehoben. Anbieter bezahlen dafür ein zusätzliches Entgelt, ohne dass Verbraucher klar darüber informiert werden. Rund 25 Prozent der Nutzer wählen dieses beworbene Angebot, weil es wie eine besondere Empfehlung wirkt.

Voreingestellte Sortierung – standardmäßig werden Tarife nach „Durchschnittspreis inklusive Bonus" sortiert. Ein Neukundenbonus von 200 Euro wird auf 12 Monate verteilt, wodurch der angezeigte Monatspreis um bis zu 17 Euro niedriger erscheint als der tatsächliche Abschlag. Die Stiftung Warentest deckte auf: Ein Berliner Haushalt sah einen Durchschnittspreis von 101 Euro, während der tatsächliche Abschlag 131 Euro betrug.

Provisionsfilter – in der Standardansicht erscheinen im Energiebereich nur Tarife, für die das Portal eine Provision erhält. Wer die Voreinstellungen nicht aktiv ändert, sieht einen eingeschränkten Marktausschnitt.

Voreinstellungen bewusst ändern: Deaktiviere die Bonuseinrechnung, begrenze die Vertragslaufzeit auf maximal 12 Monate und sortiere nach dem tatsächlichen Monatspreis – nicht nach dem Durchschnittspreis mit Bonus. Bei Verivox den Haken bei „direkte Wechselmöglichkeit" entfernen, um auch nicht-provisionspflichtige Tarife zu sehen.

Was die Portale nicht zeigen

Die größte Überraschung für die meisten Verbraucher: Nicht alle Anbieter sind gelistet. Und die Lücken sind nicht zufällig.

Systematische Marktlücken

Das Bundeskartellamt stellte fest, dass manche Portale weniger als 50 Prozent der Marktangebote abdecken. Bei Versicherungen sind die Lücken besonders groß: Gemessen an den Bruttobeiträgen fehlen 43 Prozent des Kfz-Marktes, 38 Prozent bei Hausrat und 36 Prozent bei Haftpflichtversicherungen.

Der prominenteste Verweigerer ist HUK-Coburg, Deutschlands größter Kfz-Versicherer mit über 11,7 Millionen versicherten Fahrzeugen. Seit 2017 verzichtet HUK-Coburg komplett auf den Vertrieb über Vergleichsportale. Auch Allianz Direct, Debeka und R+V fehlen teilweise. Ein Gericht stellte 2021 fest, dass Check24 bei Privathaftpflichtversicherungen nur 38 von 89 Versicherern einbezog – weniger als 43 Prozent des Marktes.

Bei Girokonten zeigte Check24 weniger als die Hälfte der rund 1.300 deutschen Kreditinstitute. Nach einem Gerichtsurteil nahm das Unternehmen den Vergleich zeitweise vom Netz.

Die Illusion unabhängiger Bestätigung

Wer auf mehreren Portalen vergleicht und überall ähnliche Ergebnisse bekommt, fühlt sich bestätigt. Aber das Bundeskartellamt deckte auf: Im Energiebereich basieren über 99 Prozent aller vermittelten Verträge auf den Datensätzen von Check24 oder Verivox. Viele kleinere Portale nutzen deren White-Label-Lösungen. Identische Ergebnisse sind also keine unabhängige Bestätigung – sondern dieselbe Datenbasis in anderem Gewand.

Finanztip empfiehlt deshalb den sogenannten „Doppelvergleich": Portal plus direktes Angebot beim Anbieter – zum Beispiel bei HUK24 für Kfz-Versicherungen. In Finanztip-Tests zeigte Check24 zwar in 13 Fällen den besten Preis, wies aber eine mittlere Abweichung vom tatsächlich günstigsten Preis von 10,3 Prozent auf. Die maximale Abweichung lag bei 64,6 Prozent.

Typische Fehler und Mythen

„Vergleichsportale zeigen den gesamten Markt"

Tatsächlich gilt: Portale zeigen nur den provisionsfinanzierten Ausschnitt des Marktes. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist darauf hin, dass ein Direktwechsel über die Website des Anbieters gelegentlich sogar günstiger sein kann – weil dort keine Portalprovisionen in den Tarifpreis eingerechnet werden. Während der Energiekrise 2022 war die Grundversorgung in 14 von 14 untersuchten Großstädten günstiger als alle Portal-Angebote.

„Der günstigste Tarif im Portal ist der beste"

Der günstigste angezeigte Tarif ist der günstigste innerhalb der gelisteten Anbieter – nicht zwingend der günstigste am gesamten Markt. Zudem verschleiert die Bonuseinrechnung den wahren Preis: Rund 50 Prozent der Bonustarife sind im zweiten Vertragsjahr teurer als die Grundversorgung. Die Neukundenbonus-Falle erklärt der Pillar-Artikel im Detail.

„Wer jährlich über Portale wechselt, spart am meisten"

Das sogenannte Bonus-Hopping – jedes Jahr den Anbieter wechseln, um Neukundenboni zu kassieren – wird von Portalen aktiv gefördert. Schließlich generiert jeder Wechsel eine neue Provision. Aber die Marktwächter-Untersuchung des vzbv ergab: Die durchschnittliche Ersparnis durch Bonustarife betrug gerade einmal 44 Euro pro Jahr. Dazu kommt das Risiko: Manche Anbieter mit aggressiven Bonusmodellen sind in der Vergangenheit insolvent gegangen.

„Mehrere Portale vergleichen bringt ein objektiveres Bild"

Im Energiebereich kontrollieren Check24 und Verivox zusammen über 95 Prozent aller Vermittlungen. Wer „verschiedene Portale" vergleicht, nutzt mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselbe Datenbasis. Ein echtes zweites Standbein entsteht erst durch den Direktvergleich beim Anbieter oder eine unabhängige Beratung.

Maklerstatus hat Konsequenzen: Check24 und Verivox sind als Versicherungsmakler registriert – mit Beratungspflicht nach §61 VVG, Dokumentationspflicht und Schadensersatzpflicht bei Pflichtverletzung. Das Oberlandesgericht München stellte 2017 klar: Diese Pflichten gelten online genauso wie offline.

Wo Portale sinnvoll sind – und wo nicht

Nicht alle Produktkategorien sind gleich. Die Zuverlässigkeit von Vergleichsportalen variiert erheblich.

Portale als Orientierung: Strom, Gas, einfache Versicherungen

Bei standardisierten, preisgetriebenen Produkten sind Portale ein brauchbarer Startpunkt. Strom und Gas sind homogene Güter – eine Kilowattstunde ist eine Kilowattstunde, egal von welchem Anbieter. Auch bei Kfz-Haftpflicht, Privathaftpflicht und Hausratversicherung sind die Leistungen weitgehend standardisiert. Hier liefern Portale einen sinnvollen Marktüberblick, wenn du die Voreinstellungen anpasst.

Aber selbst hier gilt: Immer den Grundversorger-Tarif und mindestens einen Direktanbieter gegenprüfen. Den Anbieterwechsel selbst erledigt in der Regel der neue Anbieter – egal ob du über ein Portal oder direkt wechselst.

Portale als Risiko: BU, PKV, Altersvorsorge

Bei komplexen Produkten können Portale zu gravierenden Fehlentscheidungen führen. Die Marktforschung HEUTE UND MORGEN stellte 2025 fest: Was bei einer Stromanbieterwahl noch funktioniert, kann bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder Altersvorsorge zu groben Fehleinschätzungen führen.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Individuelle Gesundheitshistorie, berufsspezifische Risikoeinschätzung und 70-seitige Versicherungsbedingungen lassen sich nicht in einem Online-Rechner abbilden. Fehlerhafte Gesundheitsangaben im Online-Antrag können im Leistungsfall zum vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes führen. Selbst Finanztip und Verivox raten hier zur persönlichen Beratung durch einen spezialisierten Makler.

Gesetzliche Krankenkasse (GKV): Die Pflichtleistungen sind zu rund 95 Prozent identisch – aber die entscheidenden Unterschiede liegen in den Satzungsleistungen (professionelle Zahnreinigung, Osteopathie, Reiseimpfungen). Kein Portal bildet diese Heterogenität vollständig ab. Was beim Zusatzbeitrag wirklich zählt, erklären wir im Detail.

Private Krankenversicherung (PKV): Es gibt keine echten Nettotarife, die Tarifwahl ist lebenslang bindend, und Fehlentscheidungen lassen sich kaum korrigieren. Hier sind spezialisierte Makler die bessere Wahl.

Kostenvergleich: Portal vs. persönliche Beratung

Die Beratungsoptionen unterscheiden sich weniger im Preis als in der Tiefe:

  • Vergleichsportal: Kostenlos für dich – aber die Provision ist im Produktpreis eingerechnet
  • Versicherungsmakler: Ebenfalls kostenlos, erhält dieselbe Provision, bietet aber individuelle Beratung und Schadensunterstützung
  • Verbraucherzentrale: 30 bis 170 Euro pro Beratung (Sozialpreise verfügbar) – provisionsunabhängig
  • Honorarberater: Durchschnittlich 170 Euro pro Stunde – komplett provisionslos, aber in Deutschland gibt es nur rund 300 registrierte Versicherungsberater gegenüber über 60.000 Maklern

Worauf du achten solltest

Statt Pauschalregeln geben wir dir Kriterien, mit denen du Portale sinnvoll nutzen kannst.

1. Voreinstellungen immer ändern

Deaktiviere die Bonuseinrechnung. Begrenze die Vertragslaufzeit auf 12 Monate. Verlange eine Preisgarantie für die gesamte Vertragsdauer. Schließe Vorkasse- und Pakettarife aus. Begrenze die Kündigungsfrist auf maximal sechs Wochen. Diese fünf Handgriffe dauern eine Minute – und verändern die Ergebnisliste grundlegend.

2. Immer gegenprüfen

Nutze das Portal als Startpunkt, aber vergleiche zusätzlich: direkt beim Anbieter, beim regionalen Grundversorger (der auf Portalen oft nicht prominent erscheint) und – bei Kfz-Versicherungen – bei HUK24. Ein einzelnes Portal ist kein vollständiger Marktüberblick.

3. Produktkomplexität bestimmt den Weg

Für Strom, Gas und einfache Sachversicherungen reichen Portale mit kritischem Blick. Für BU, PKV und Altersvorsorge ist qualifizierte persönliche Beratung keine optionale Verbesserung, sondern eine Notwendigkeit. Die Verbraucherzentrale bietet hier ab 30 Euro die zugänglichste professionelle Alternative.

4. Den Zweitjahr-Preis prüfen

Frag dich bei jedem Tarif: Was kostet er nach dem ersten Jahr, wenn der Bonus wegfällt? Der Zweitjahrespreis ist der ehrlichere Indikator für die tatsächlichen Kosten. Mehr dazu im Strom-und-Gas-Leitfaden.

5. Psychologische Mechanismen kennen

Portale nutzen dieselben kognitiven Verzerrungen, die uns auch sonst bei Finanzentscheidungen in die Irre führen: Der Ankereffekt durch überhöhte Sparversprechen, die Entscheidungsparalyse bei 50 Ergebnissen, Social Proof durch „Beliebtester Tarif"-Labels und Dringlichkeit durch künstliche Knappheitshinweise. Wer diese Mechanismen kennt, kann sie durchbrechen.

Praxis-Tipp: Beginne deinen Vergleich nie mit dem Portal-Ergebnis, sondern mit deinem aktuellen Vertrag. Notiere den tatsächlichen Monatspreis (ohne Boni) und vergleiche dann gezielt. So vermeidest du den Ankereffekt durch die Portal-Darstellung.

Fazit

Vergleichsportale sind weder die neutralen Helfer, als die sie sich präsentieren, noch grundsätzlich nutzlos. Sie sind kommerzielle Vermittlungsplattformen mit einem klaren Eigeninteresse – und dieses Interesse stimmt nicht immer mit deinem überein. Wer das versteht und die richtigen Gegenmaßnahmen ergreift, kann Portale trotzdem sinnvoll nutzen: als einen Baustein unter mehreren, mit angepassten Voreinstellungen und immer mit Gegencheck.

Genau hier setzen wir in der Beratung an: Wir vergleichen den gesamten Markt – nicht nur den provisionsfinanzierten Ausschnitt – und geben dir eine klare Empfehlung statt 50 Ergebnisse.


Quellen

  • Bundeskartellamt: Sektoruntersuchung Vergleichsportale – Abschlussbericht, April 2019 (7 Problemfelder, Marktabdeckung, Provisionseinfluss)
  • Stiftung Warentest: Test Strom- und Gasportale – Ergebnis „Befriedigend" als Bestnote, Kritik an Bonuseinrechnung und Voreinstellungen
  • LG Frankfurt (Az. 2-03 O 347/19, 2021): Check24 Haftpflicht nur 38/89 Versicherer
  • OLG Karlsruhe (Az. 6 U 82/20, 2021): Verivox unter 50% Marktabdeckung unzureichend
  • OLG München (Az. 29 U 3139/16, 2017): Online-Maklerpflichten gleich Offline-Pflichten
  • EuGH (Az. C-697/23, Mai 2025): Portale keine Mitbewerber der Versicherer
  • Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Klagen gegen Check24 und Verivox wegen Marktabdeckung, Marktwächter-Untersuchung zu Bonustarifen
  • Finanztip: „Doppelvergleich"-Empfehlung, Bestpreis-Abweichung Check24 (Ø 10,3%, max 64,6%)
  • HEUTE UND MORGEN: Studie zu Portalnutzung und Beratungsbedarf, Mai 2025
  • Verbraucherzentrale Niedersachsen: Empfehlung zum Direktwechsel beim Anbieter